Im Grundlagenband dieser Reihe (Hand- und Arbeitsbuch «Grundlagen und Hintergründe») findet sich im Kapitel über die Herausforderungen und Aufgaben von HSU-Lehrer/innen folgende Passage (Kap. 2 A.3):

«Besonders wichtig ist die Vermittlung und Thematisierung all der im Einwanderungsland geltenden ungeschriebenen Normen und Erwartungen, die vor allem eingewanderten Eltern aus bildungsferneren Familien oft gar nicht bewusst sind.
Dazu zählen z. B. ungeschriebene, aber als selbstverständlich geltende Regeln in Bezug auf die ‹richtige› Zeit, wann kleinere und größere Kinder zu Bett gehen sollen, was Kinder frühstücken oder sonst essen sollen, wie man mit Hausaufgaben und der Lernumgebung zu Hause umgeht etc. Sich hier zu informieren und die Informationen weiterzugeben, ist eine wichtige Aufgabe für HSU-Lehrer/innen.»

Das Problem all dieser ungeschriebenen Regeln und Normen liegt darin, dass sie für die «Einheimischen» (zumindest für die bildungsnahe, erfolgreiche Schicht) so klar und verinnerlicht sind, dass sie kaum je explizit kommuniziert werden. Schon als HSU-Lehrer/in braucht man einige Zeit, um die wichtigsten Normen und Erwartungen zu erfassen; für Eltern oder Kinder aus schul- und bildungsferneren Familien ist dies noch viel schwieriger. Das innovative 10-Schritte-Programm in Teil II des vorliegenden Hefts versucht, hier in sehr konkreter und praxisnaher Weise Hilfe zu leisten. Es führt die Leserinnen und Leser in grundlegende Voraussetzungen für effektives Arbeiten und Schulerfolg ein. Hierzu zählen z. B. die Gestaltung eines Arbeitsplatzes, Ruhe, feste Arbeitszeiten, planvolles Arbeiten etc. Zu jedem Schritt finden sich Erläuterungen, Tipps und konkrete Umsetzungsübungen. Das Durcharbeiten des Programms (in überschaubaren 10–14 Tagen) führt zum Einüben und Beherrschen der wichtigsten ungeschriebenen «Spielregeln», die vielen Kindern und Jugendlichen aus sozial und bildungsmäßig weniger privilegierten Familien sonst gar nicht bewusst würden.

Für die Nutzung des 10-Schritte-Trainingsprogramms sind verschiedene Szenarien denkbar:


  • Das Programm wird mit der ganzen Klasse besprochen und durchgearbeitet, z. B. als gemeinsames Projekt «Wir optimieren unser Lernen». Für die jüngeren Schüler/innen müssen die Schritte 5–10 vereinfacht und angepasst werden.

  • Das Programm wird mit einer kleineren Gruppe von motivierten Schüler/innen durchgearbeitet, die ihre Erfahrungen natürlich auch den anderen mitteilen.

  • Das Programm wird mit einzelnen oder wenigen Schüler/innen durchgearbeitet, die schulisch schwach und familiär wenig gestützt sind. Die Eltern und wenn möglich die Klassenlehrperson müssen unbedingt einbezogen werden. Das Programm hat hier vor allem die Funktion einer Notmaßnahme, um die gefährdete Schulkarriere zu retten.

Ohne die Unterstützung durch die Eltern kann das Durcharbeiten des Programms für manche Schüler/innen eine Überforderung sein. Die Eltern für dieses Projekt zu begeistern ist im Kontext HSU umso wichtiger, als die HSU-Lehrperson die Schüler/innen in der Regel ja nur einmal pro Woche sieht. Was die HSU-Lehrperson im Sinne einer erfolgreichen Arbeit mit dem 10-Schritte-Programm tun kann, lässt sich wie folgt zusammenfassen:

1. Die Eltern über das Projekt «Durcharbeiten eines Trainingsprogramms zu erfolgreichem Lernen» und über die ungeschriebenen, aber sehr schulerfolgsrelevanten Regeln und Normen informieren. Dies geschieht am besten im Rahmen einer Elternveranstaltung oder von Elterngesprächen. Als Unterlage kann dazu (notfalls: stattdessen) ein Informationsblatt verteilt werden (siehe unten).
Optimal wäre natürlich eine Koordination mit den Klassenlehrpersonen; dass diese Interesse am 10-Schritte-Programm haben, ist höchst wahrscheinlich.
2. Kopieren des Programms aus Teil II dieses Hefts; die Blätter zu einem Heft zusammenfassen und jedem Kind geben.
3. In den zwei Wochen, während derer die Schüler/innen das Programm durcharbeiten, im HSU die diesbezüglichen Erfahrungen, Probleme und Erfolge thematisieren, sowie Zeit für Gespräche und den Austausch von Tipps einräumen. Desgleichen nach dem Durcharbeiten des Programms eine Schlussbesprechung vorsehen.

Muster für ein Informationsblatt für die Eltern

(als Vorlage zum Variieren gedacht)

 


Inhaltsverzeichnis