Die Schüler/innen des HSU haben wie alle anderen Kinder und Jugendlichen eine einzigartige Biografie. Was sie von monokulturell aufwachsenden «einheimischen» Kindern und Jugendlichen unterscheidet und zu ihrer Einzigartigkeit beiträgt, ist (unter anderem) ihre Migrationsgeschichte – sei es, dass sie selbst Migration erlebten oder dass sie als Kinder oder Enkel/innen von migrierten Eltern oder Großeltern aufwachsen. In beiden Fällen ist der Migrationshintergrund eine wesentliche Daseinsressource dieser Jugendlichen, auch wenn er in der Gesellschaft nicht die entsprechende Wertschätzung erhält.

Im HSU bilden der Migrationshintergrund, die Herkunftskultur und das Leben in und zwischen verschiedenen Kulturen zentrale Themen. Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Migrationsgeschichte wird hier der Einfluss der Migration auf die eigene Biografie reflektiert und werden die Schüler/innen gegenüber den Herausforderungen sensibilisiert, denen sie sich im Aufnahmeland stellen müssen. Andererseits werden sie sich ihrer spezifischen Ressourcen bewusst und lernen, wie sie diese auch im alltäglichen Leben nutzen können. Sie lernen den Prozess der Migration als Teil der eigenen Familiengeschichte kennen und entwickeln Respekt und Anerkennung für sich selbst und für die Leistungen und Erfahrungen der Eltern und Großeltern.

Neben der eigenen Migrationsgeschichte sollen die Schüler/innen sich auch mit jener von Kolleg/innen und weiteren Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen im näheren Umfeld auseinandersetzen, um kulturelle Vielfalt bewusst zu erleben und sichtbar zu machen. Anhand der Analyse fremder Migrationsbiografien können sie sowohl die eigene Geschichte neu überdenken als auch Verständnis für die anderer aufbringen. Dieses biografische Lernen ermöglicht ihnen, die vielfältigen Ursachen und Folgen der Migration zu erkennen und Chancen und Herausforderungen beim Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Kulturen zu erfahren. Zugleich lernen sie bei dieser Auseinandersetzung mit Migrationsbiografien auf verschiedenen Ebenen, den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umgang mit Migration zu verstehen und eigene Strategien und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Sie entwickeln Toleranz und Anerkennung gegenüber kultureller und sprachlicher Vielfalt und bauen damit ihre eigenen interkul- turelle Kompetenzen aus.

Die Ausgangslage der folgenden sieben Unterrichtsvorschläge bilden die Identitätserfahrungen, Ressourcen und Potenziale der Schüler/innen. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch die Lehrperson mit ihren Selbst- und Fremderfahrungen, die sie als Ressource zur Vorbereitung der Unterrichtseinheiten zur Verfügung hat.

Die Zuordnung zu Klassen und Stufen ist sehr weit gefasst; die meisten Vorschläge können mit entsprechenden Anpassungen stufenspezifisch umgesetzt werden.

Drei Vorschläge (2.7a–c) betreffen umfangreichere Vorhaben, die sich insbesondere als Kooperationsprojekte mit dem Regelunterricht im Rahmen von Projekttagen oder -wochen eignen.


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