Unterricht im Allgemeinen und der herkunftssprachliche Unterricht im Besonderen haben das Ziel, alle Kinder und Jugendlichen mit ihren je eigenen Geschichten, Prägungen, Voraussetzungen und Eigenschaften in eine gemeinsame Realität innerhalb der Klasse und der Schule zu integrieren. Es gilt, Regeln und Umgangsformen zu entwickeln, die zu einem fruchtbaren Zusammenarbeiten führen. Dabei kommt dem Unterricht und der LP auch die Aufgabe zu, auftretende Konflikte wahrzunehmen und zu thematisieren und Möglichkeiten des Umgangs mit möglichen Problemen zu finden.

Konflikte treten im täglichen Zusammenleben in der Schule zwangsläufig auf. Dies geschieht immer dann, wenn die Interessen von Einzelnen oder von Gruppen den Interessen anderer Individuen oder Gruppen gegenüberstehen. Der Grund können Unstimmigkeiten in der Zusammenarbeit oder aber Vorurteile und Meinungen sein, die aufeinanderprallen.

Gegenüber der plurikulturellen Regelklasse haben HSU-Gruppen die Besonderheit, dass sie sprachlich und herkunftskulturell homogener sind. Aber auch im HSU geht es darum, die plurikulturelle Gemeinschaft und Gesellschaft des Einwanderungslandes als Realität und Selbstverständlichkeit zu sehen. Nur so können auftretende Konflikte im Rahmen eines reflektierten und rationalen Vorgehens gelöst werden. Jede Schülerin und jeder Schüler gehört zwar einer bestimmten ethnischen Gruppe an, ist aber vor allem Teil einer anderen, größeren Gruppe. Dementsprechend soll sich die Lösung von Konflikten nicht an der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe orientieren, sondern an der Zugehörigkeit zur realen plurikulturellen Gemeinschaft und Gesellschaft. Beim Aufbau der interkulturellen Kompetenz, um die es hier geht, kann auch der HSU einen wichtigen Beitrag leisten.

Zu den Aufgaben der Lehrperson gehört es, Konflikten Beachtung zu verschaffen und die Schüler/innen in ihrer Wahrnehmungs-, Reflexions- und Handlungskompetenz zu schulen. Das Ziel ist dabei, Strategien der Konfliktbearbeitung und -lösung zu finden und zu erproben, die für die Kooperation und für die seelische Gesundheit aller Beteiligten sinnvoll sind. Selbstverständlich dürfen solche Konfliktlösungen keine neuen Stigmatisierungen schaffen, dürfen keine Vorurteile zementieren, dürfen die Fronten zwischen den Konfliktparteien nicht verhärten. Dabei geht es keineswegs nur um die momentane Harmonie in der Klasse; vielmehr lassen sich diese Unterrichtssequenzen sehr wohl als Vorbereitung für das Leben in der Gesellschaft betrachten. Angesichts der Bedeutung dieses Themas wäre eine Zusammenarbeit zwischen HSU- und Regelklassenlehrpersonen hier ganz besonders zu begrüßen.

Die sieben folgenden Unterrichtsvorschläge zeigen auf verschiedenen Stufen auf, wie Schüler/innen in den Teilbereichen Wahrnehmungs-, Reflexions- und Handlungskompetenz an ihrer Sozial- und Konfliktkompetenz arbeiten können. Die jeweils fokussierten Teilkompetenzen zeigt die Übersicht am Schluss des Hefts. Die Vorschläge für eine alters- und stufenmäßige Bearbeitung sind weit gefasst und sollen als Empfehlungen verstanden werden, die auch modifiziert werden können. Wesentlich dabei ist die Rolle der Lehrperson, die beim Aufbau der genannten Kompetenzen, Einstellungen und Verhaltensweisen einmal mehr als behutsame/r und bedachte/r Mediator/in, Coach und Begleiter/in von Lern- und Verhaltensprozessen gefragt ist.


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