Hinweise:

  • Das Beispiel für den Dialog kann selbstverständlich problemlos durch eines aus der eigenen Lebenswelt ersetzt werden. Dieses müsste aber ähnlich wie unser Beispiel aufgearbeitet werden.
  • Quelle: Nach Triandis (1972) in Thomas Alexander u. a. (Hrsg.) (2003): Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kooperation, Bd. 1. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ablauf:

  • Die LP erklärt zuerst, was eine Zuschreibung/Attribution ist (Definition: alles, was Menschen sich und andern an Merkmalen zuschreiben und unterstellen, z. B. ethnische oder Rollenklischees oder weitere Interpretationen). Diskussion, welche diesbezüglichen Erfahrungen die S haben.
  • Die LP informiert, dass ein Dialog auf zwei Ebenen analysiert werden soll: 1. auf der Ebene dessen, was wirklich gesprochen wurde, 2. auf der Ebene der unausgesprochenen Interpretationen und Attributionen. Kontext: Es geht um einen Dialog zwischen dem amerikanischen Vorgesetzen und dem griechischen Mitarbeiter einer internationalen Firma. Die Handlung spielt in Griechenland. Der Grieche ist ein langjähriger erfolgreicher Mitarbeiter. Der Amerikaner wurde kürzlich zum Leiter der griechischen Niederlassung der Firma befördert.
  • Die S erhalten eine Kopie des Dialogs, wobei die Attributionsseite (rechte Spalte) vorgängig von der LP umgeknickt wurde und noch nicht angeschaut werden darf. In verteilten Rollen lesen die S den Dialog und besprechen dann in Kleingruppen Gründe für die kommunikativen Pannen.
  • Nun knicken sie das Blatt um und lesen die Zuschreibungen in der rechten Spalte. Sie diskutieren paarweise, wie diese Zuschreibungen zustande kamen.
  • Reflexion und Diskussion mit der ganzen Klasse:
    • Was sind die hauptsächlichen Gründe für das Scheitern der Kommunikation?
    • Welche Werte, Verhaltensmuster und kulturspezifischen Einstellungen könnten für das Verhalten der beiden Männer maßgeblich gewesen sein?
    • Was könnte der nächste Schritt für einen konstruktiven Umgang mit der Situation sein? (Hier sollen Strategien der interkulturellen Kommunikation gesammelt werden.)
    • Welche derartigen Erfahrungen haben die S selber gemacht?

AB – Der neue amerikanische Vorgesetzte und sein griechischer Mitarbeiter

Arbeitsblatt «Dialog» für Schüler/innen


Verhalten/Gesagtes Attribution: Zuschreibung/Interpre-
tation/Gedachtes
Amerikaner: Wie lange brauchst du, um diesen Bericht zu beenden? Amerikaner: Ich bitte ihn, sich zu beteiligen;
ich will ihn in die Entscheidung einbeziehen.
Grieche: Ich weiß nicht. Wie lange soll ich brauchen?

Grieche: Was soll das? Er ist der Chef: Warum gibt er mir keine klare Anweisung?

Amerikaner: Er lehnt ab, Verantwortung zu übernehmen.

Amerikaner: Du kannst selbst am besten einschätzen, wie lange es dauert. Amerikaner: Er soll Verantwortung für seine Handlungen übernehmen.

Grieche: Was für ein Unsinn! Ich gebe ihm wohl besser eine Antwort.

Grieche: O.k., zehn Tage. Amerikaner: Er ist unfähig, die Zeit richtig einzuschätzen. Diese Schätzung ist völlig unrealistisch.
Amerikaner: Besser 15. Bist du damit einverstanden, die Arbeit in 15 Tagen zu erledigen?

Amerikaner: Ich biete ihm eine Abmachung an.

Grieche: O.k., er verlangt 15 Tage, er ist der Chef.

In Wirklichkeit brauchte man für den Bericht 30
Arbeitstage. Also arbeitete der Grieche Tag und Nacht, benötigte aber am Ende des 15. Tages
immer noch einen weiteren Tag.
Amerikaner: Wo ist der Bericht?

Amerikaner: Ich kontrolliere, dass er die Abmachung einhält.

Grieche: Er will den Bericht haben.

Grieche: Er wird morgen fertig sein. Both: Der Bericht ist noch nicht fertig.
Amerikaner: Aber wir haben abgemacht, dass er heute fertig sein sollte! Amerikaner: Ich kontrolliere, dass er die Abmachung einhält.

Grieche: Dieser dumme, inkompetente Chef! Nicht nur, dass er mir falsche Anweisungen gegeben hat, er würdigt noch nicht einmal, dass ich einen 30-Tage-Job in 16 Tagen erledige.

Der Grieche reicht seine Kündigung ein.
Der Amerikaner ist überrascht.
Grieche: Für so einen Menschen kann ich nicht arbeiten.

 


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